Hormonyoga um gut durch die Wechseljahre zu kommen. Teil 1

Was sind die Wechseljahre eigentlich genau?

Während des größten Teils der Menschheitsgeschichte starb die überwiegende Mehrheit aller Frauen vor den Wechseljahren; für diejenigen, die länger lebten, kündigte das Klimakterium einen unausweichlichen körperlichen Verfall und Austritt aus dem aktiven Leben an. Doch heute, da die Lebenserwartung eines neugeborenen Mädchens bei 82 Jahren und 10 Monaten liegt, darf man erwarten, dass sie ihre Wechseljahre nicht nur um 30 bis 40 Jahre überlebt, sondern dabei auch dynamisch und gut vernetzt ist und auch aktiv am Lebensgeschehen teilnimmt. Die Wechseljahre, die wir Frauen heute erleben, sind nicht die unserer Mütter oder Großmütter, denn aufgrund der verlängerten Lebenserwartung, wurden die Wechseljahre quasi in die Mitte des Lebens verschoben!

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Wechseljahre – Ein Lebens­abschnitt mit Nebenwirkungen

In Deutschland sind zur Zeit über zehn Millionen Frauen zwischen 45 und 60 Jahre alt. Sie befinden sich kurz vor, inmitten oder kurz nach den Wechseljahren. Auch wenn die Wechseljahre keine Krankheit sind, sondern ein Lebensabschnitt, haben bis zu 80 Prozent von ihnen körperliche und seelische Beschwerden. „Jede dritte Frau in dieser Altersgruppe leidet so stark, dass sie ohne Behandlung den Alltag nur schlecht bewältigen kann. Ungefähr 20% der Frauen haben keine oder kaum Beschwerden während dieser Zeit. Ihr Körper kann auf Hilfe von außen verzichten.
Doch bei einem Fünftel aller Frauen sinkt der Hormonspiegel so schnell, dass dies als teilweise extreme körperliche und seelische Belastung empfunden wird. Die Liste der Beschwerden, die im Klimakterium zu verzeichnen sind, bezieht sich auf vielfältige Bereiche des Körpers und der Psyche

Die häufigsten Beschwerden während der Wechseljahre sind Nervosität und Reizbarkeit (90%), Müdigkeit, Lethargie und Leistungsabfall (80%), Hitzewallungen und Schweißausbrüche (70%), depressive Verstimmungen und Weinkrämpfe (70%). Ebenfalls 70% der Frauen leiden noch an Kopfschmerzen; Vergesslichkeit und Konzentrationsschwäche treten in 65% der Fälle auf, sowie Gewichtszunahme in 60% der Beschwerden. Immerhin noch 50% aller Frauen im Klimakterium leiden unter Schlafstörungen, Gelenk- und Muskelschmerzen, 40% aller Frauen haben Herzbeschwerden und leiden unter Verdauungsproblemen (Obstipation). 30% klagen über Libido Verlust, gefolgt von Beschwerden wie Parästhesie (Kribbeln, Taubheitsgefühl) (25%) und Schwindelgefühlen (20%).
Darüber hinaus können Klimakteriums Beschwerden sein: erhöhte Cholesterienwerte, Osteoporose, Antriebslosigkeit, Reizbarkeit, Aggressivität, erhöhte Verletzlichkeit, Stimmungsschwankungen, Harninkontinenz, Verstopfung, Durchfall, trockene Haut, trockene Schleimhäute, Haarausfall, verstärkter Haarwuchs im Gesicht, verlängerte Menstruationen (bis zu vier Wochen).
Viele dieser Beschwerden verschwinden nach der Hormonumstellung wieder.
Auch haben mit dem Absinken des Östrogenspiegels die Kollagenfasern die Tendenz, sich zu zersetzen, wodurch die Haut dünner und weniger elastisch wird. Es besteht zudem eine Neigung zur Verringerung der Durchblutung der Haut und des subkutanen Gewebes, was zur Erschlaffung und zur Faltenbildung beiträgt.
Es gibt also eine Vielzahl an „Nebenwirkungen“, deren Ursache in der Umstellung des Hormonhaushaltes zu suchen sind. So ist sehr gut und schnell nachzuvollziehen, dass sich aus den körperlichen Veränderungen auch schnell psychische Probleme entwickeln können, da Frau scheinbar nichts gegen die Folgen der Hormonumstellung tun kann. Doch Yoga hilft! Bevor ich jedoch hierauf eingehe erkläre ich noch kurz wie genau die Wechseljahre normalerweise ablaufen.

Die 3 Phasen der Wechseljahre

Die Wechseljahre, medizinisch auch als Klimakterium bezeichnet, werden in drei Einzelphasen gegliedert, die sich alle auf die Menopause, also den Zeitpunkt der letzten Regelblutung, beziehen:

  • Die Prämenopause ist die Zeit vor der Menopause und betrifft meistens Frauen zwischen dem 40. und dem 50. Lebensjahr. Die Ausschüttung des Follikel stimulierenden Hormons (FSH) steigt leicht an. Die Produktion des Gelbkörperhormons Progesteron nimmt hingegen ab. Dies kann dazu führen, dass sich die Zeiträume zwischen zwei Blutungen verkürzen. Die Periode tritt jedoch noch regelmäßig auf. Da die Östrogenspiegel häufig erhöht sind, können die einzelnen Blutungen intensiver sein und länger andauern.
  • Die „Hochphase“ der Wechseljahre ist die Perimenopause. Sie dauert im Durchschnitt sechs bis sieben Jahre. Hier kommt es meist zu deutlichen Unregelmäßigkeiten im Zyklus bis hin zum völligen Ausbleiben der Regelblutung. Die Bildung von Gestagenen lässt schneller nach als die von Östrogenen, so dass das Konzentrationsverhältnis zwischen Progesteron und Östrogenen sehr stark schwankt. Bei den Betroffenen können Hitzewallungen, Herzrasen, Stimmungsschwankungen, Muskel-/ und Gelenkschmerzen oder gesteigerte Nervosität auftreten.
  • Die Postmenopause beginnt ein Jahr nach der letzten Periode und dauert so lange, bis der Hormonhaushalt ein neues stabiles Niveau erreicht hat. Die klimakterischen Beschwerden lassen nach. Das Ende der Postmenopause und damit das Ende der Wechseljahre ist von Frau zu Frau unterschiedlich und hängt neben den hormonellen Veränderungen vom subjektiven Erleben der Symptome ab.

Im Durchschnitt sind die Frauen bei ihrer letzten Regelblutung 51 Jahre alt. Der genaue Zeitpunkt der Menopause lässt sich erst rückwirkend definieren, wenn ein Jahr lang keine weitere Monatsblutung erfolgt ist. Insgesamt kann der Zeitraum der Wechseljahre etwa zehn bis 15 Jahre andauern.

Sich in seinem Frausein neu definieren und finden

Durch die deutlich gestiegene Lebenserwartung verbringen Frauen heutzutage häufig mehr als ein Drittel ihres Lebens nach der Menopause. Für sie ist es deshalb entscheidend, wie sie durch die Wechseljahre kommen.
Die Chance besteht in der Ausgestaltung neuer Rollen und einem neuen Selbstverständnis, das sich nicht mehr über die Attribute der Jugend definiert.

 

blog-hormon-imgDie Weisheit der Wechsel­jahre oder der Sprung auf einen fahrenden Zug

Die Auseinandersetzung mit dem Klimakterium hat heute eine deutlich stärkere gesellschaftliche Komponente als früher. War früher Rückzug und Verlust im Fokus der Reaktionen auf die Wechseljahre, ist es heute ein neuer Lebensabschnitt mit neuen Chancen – und damit ein Vorbild für diejenigen Frauen, die noch der herkömmlichen Sichtweise verhaftet sind.

Vorbilder für alle sind diejenigen, die das Schweigen der Vorgenerationen um Menstruation, Wechseljahre etc. durchbrochen haben und damit auch kulturelle Barrieren durchbrechen. Die mit weit geöffneten Augen in diesen neuen Lebensabschnitt eintreten – gleichzeitig mit Millionen von anderen Frauen weltweit die gerade diese Transformation erleben.

Und wie man jetzt schon langsam sehen kann, arbeiten die Veränderungen, die bei Frauen in der Lebensmitte stattfinden, wie die Lokomotive eines Hochgeschwindigkeitszuges und treiben die Evolution unserer ganzen Gesellschaft rasch voran – Frauen mittleren Alters in hohen Managementpositionen, Frauen als Gründer von innovativen Unternehmen, Frauennetzwerke weltweit, Frauen in großen Charity Projekten bis hin zu Frauen als Führer eines Landes. Vor 100 Jahren undenkbar.

Es ist die Entscheidung einer jeden einzelnen Frau auf diesen fahrenden Zug aufzuspringen und sich nicht mehr einreden zu lassen, dass das Klimakterium ein furchteinflößender Übergang ist, der den Anfang vom Ende kennzeichnet!

Dass sie nichts mehr wert, alt und verbraucht sind – und vor allem für die Männerwelt nicht mehr interessant. Vielleicht nicht als süße Gefährtin an der Seite des Mannes, dafür aber als Gegner am Konferenztisch. Frauen die sich nicht ihr Selbstwertgefühl von den Wechseljahren in den Keller ziehen lassen und dort praktischerweise gleich bleiben – unsichtbar für den Rest der Welt.

Sondern im Gegenteil, die Weisheit und Erfahrung des zurückgelegten Lebens nehmen, gepaart mit dem ureigenen Instinkt der Frau für den Erhalt allen Lebens, dem Mitgefühl und der Herzens-Vernunft versuchen ins Licht zu treten und die Welt im Kleinen wie im Großen zu gestalten.

Wechseljahre sind ein Transformationsprozess

Dieser Transformationsprozess kann jedoch nur dann erfolgreich verlaufen, wenn wir Frauen auf zweierlei Weise aktiv werden:

Erstens müssen wir willens sein, die volle Verantwortung für unseren Anteil an Problemen in unserem Leben zu übernehmen. Es erfordert großen Mut, den eigenen Beitrag an all dem einzugestehen, was falsch gelaufen ist und damit aufzuhören, uns als Opfer von jemanden oder etwas außerhalb unseres selbst zu sehen. Die Person in der Opferrolle erntet zwar meist die Sympathien, doch letztlich hilft diese Rolle nicht, sich zu verändern, zu wachsen und voranzukommen.

Zweitens muss die Bereitschaft da sein, den Schmerz des Verlustes zu spüren und um diejenigen Teile des Lebens trauern die wir hinter uns lassen. Dazu gehören auch die Fantasien wie das Leben anders hätte laufen können wenn nur dies oder jenes, so oder so gelaufen wäre.

Das Ende einer wichtigen Beziehung oder einer bedeutenden Phase unseres Lebens – selbst einer die uns vielleicht unglücklich gemacht hat oder von Wachstum und Erfüllung abgehalten hat – ist wie ein Tod. Um darüber wegzukommen, um weiterzugehen muss der Schmerz des Verlustes gespürt und betrauert werden. Und dann losgelassen.

Die Stürme in dieser Lebensphase sind mit großen Unsicherheiten und Ängsten verbunden: die Eltern werden krank, sterben; die Ehen zerbrechen oder die Ehemänner erkranken, die Kinder verlassen das Haus, das Berufsleben geht dem Ende zu – all diese Umwälzungen benötigen einen starken inneren Kern und eine gewisse Weisheit, die uns die Natur über die Hormonveränderung schenkt. Eine Klarheit des Blicks, die zunehmende Unduldsamkeit Ungerechtigkeiten und ungleicher Lastenverteilung gegenüber ist die Gelegenheit zu sehen, was wir verändern müssen um in der zweiten Hälfte des Lebens ehrlich, gesund und in vollen Zügen zu leben. Der Schleier der Fortpflanzungs-/ und Nestbau-Hormone ist von den Augen gezogen um zu sehen, wer wir sind – oder genauer gesagt, wer wir geworden sind. Um dann mutig ins Leben zu treten und es selbstbewusst und eigenverantwortlich in die Hände zu nehmen.

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Yoga hilft den Wahnsinn zu bewältigen

Kurzum: Die Wechseljahre sind ein auf physischer und psychischer Ebene ein Einschnitt. Ob wir Frauen diesen als Leid oder Neuanfang erleben, liegt an unserer Einstellung. Yoga ist gerade in dieser Phase des Umbruchs wundervoll geeignet uns Ausgleich, innere Ruhe und einen ausgeglicheneren Hormonspiegel zu bescheren.

In dieser Phase hilft Hormon Yoga mit seinen Atemtechniken und Energieübungen um gezielt das endokrine System anzusprechen. Meditationen mit dem Ziel zu erkennen: „Du bist nicht Dein Körper“ um den Übergang zu erleichtern.

Yoga als Weg der Selbstreflektion (vor allem in den ruhigen YIN Yoga Sequenzen), Power Yoga Sequenzen um die Kraft und Stärke wieder im eigenen Körper zu spüren und damit einhergehend neues Selbstbewusstsein zu erreichen.

In Teil 2 dieses Blogbeitrages gehe ich dann näher auf die verschiedenen Möglichkeiten des von mir entwickelten Kandala Hormon Yoga ein und erläutere, wobei die Praxis des Kandala Hormon Yoga besonders hilfreich ist.

Ich hoffe Ihr habt jetzt etwas mehr Durchblick über das Thema „Wechseljahre“ und wünsche Sat Nam – Eure Ann


Kategorie: Allgemein, Yoga World